100 Jahre Verkehrsverein Mollis
Wie
im Jahresbericht 1995 festgehalten, fehlen die protokollarischen
Aufzeichnungen der Geschäftstätigkeit unseres Vereines für
die ersten 77 Jahre. Erst seit der Präsidialzeit von Hans
Hofmann, unserem Ehrenmitglied, liegen die entsprechenden
Schriftstücke vor. Bei weiteren Nachforschungen fanden sich
schliesslich auf einen Estrich noch die Jahresrechnungen 1923–1953,
und auch das Buch «Gäste und Gastgeber im Glarnerland»,
verfasst von Susanne Peter-Kubli, brachte da und dort Klarheit auch
in Bezug auf unseren Verein.
Dass
der Verkehrsverein Mollis 1896 gegründet worden ist, basiert
einzig auf einer Notiz in der 1954 publizierten «Geschichte der
Gemeinde Mollis» von Hans Thürer, welcher auf Seite 409
erwähnt:
Der
Niedergang der Lesegesellschaften rührt gewiss auch vom
Siegeszug her, den der Sport seit einem halben Jahrhundert angetreten
hat. 1886 entstand der Turnverein und 10 Jahre später der
Verkehrsverein.»
In
der ganzen, beinahe 500 Seiten umfassenden Geschichtsschreibung von
Hans Thürer ist der Verein somit lediglich in einem einzigen
Satz erwähnt und dies – wie gesagt – erst noch sozusagen als
Sportverein.
Früher
war das Reisen eine Domäne der Männer. Erst die
Kuraufenthalte des 19. Jahrhunderts lockerten dieses starre Schema
auf, indem nun ganze Familien, samt Bediensteten, oft für
mehrere Wochen in einem Kurhotel abstiegen.
Kurhäuser
traf man auch in Mollis an. So weiss Susanne Peter zu berichten, dass
die Anfänge der beiden Molliser Bäder bis ins 16.
Jahrhundert zurückgereicht haben. 1890 wurde sogar das Haltli
für einige Jahre zu einer Art Badekurhaus umgebaut. Neben 10
Logier- und 2 Gesellschaftszimmern verfügte es über 2
Anlagen mit 20 Badewannen.
Nicht
zuletzt angesichts der zunehmenden Besuche von Touristen in derlei
Kurbetrieben erkannte das Hotel- und Gastgewerbe die immer stärker
werdende volkswirtschaftliche Bedeutung des Fremdenverkehrs. Mit dem
Ziel, diese Wirtschaftsbranche bewusst zu unterstützen, wurden
Kur- und Verkehrsvereine gegründet. Am 16.11.1892 schlossen sich
Initianten in den 3 Eidgenossen in Glarus zum Verkehrsverein des
Kantons Glarus zusammen. Bereits im 1. Jahr hatte dieser 527
Einzelmitglieder, so u.a. auch die Lesegesellschaft zum Bären in
Mollis. Der enorme Mitgliederzuwachs brachte es mit sich, dass der
kant. Verkehrsverein zunehmend zu einer Art Dach-, Organisation
umgestaltet werden musste und sich da und dort Lokal-Sektionen
gründeten./P>
So entstanden
1896 die Vereins-Sektionen Oberurnen, Mollis, Schwanden, Linthal-Rüti
und Sernftal. Bereits 1 Jahr später wurde auf der Kännelalp
das Ferienheim Neumünster erbaut. 1902 fand in Glarus das 1.
Skirennen statt. 2 Jahre später erfolgte auf der Molliser Seite
des Linthkanals die Eröffnung des 1. Strandbades der Ostschweiz
in Weesen. Weitere Farbtupfer im touristischen Alltag von Mollis und
Umgebung bildeten in jener Zeit die Errichtung des Naturfreundehauses
auf Fronalp um 1917 und die Durchführung des 1. Glarnerischen
Flugtages vom 2.10.1921.
Ganz
offensichtlich konzentrierte man sich zu Beginn der Vereinsgeschichte
des VVM auf die Förderung des Fremdenverkehrs. Auch Bestrebungen
zur Öffnung der geistigen Haltung der Molliser gegenüber
der grossen, weiten Welt und den Segnungen der Technik hatten
Priorität. Nur so ist es zu erklären, dass man bereits
damals dem Wanderwegunterhalt grosses Gewicht beimass, den
Blumenschmuck im Dorfe zu fördern suchte, Vorträge mit
bekannten Referenten (u.a. mit Walter Mittelholzer) organisierte und
einem Herrn Schubert, damaliger Besitzer des Zwicky-Hauses, zur
Renovation seines Gebäudes ein Darlehen von Fr. 400.– gewährte
etc. etc.
Die
Flugtage erwiesen sich als Publikums-Magneten. So weiss die «Neue
Glarner Zeitung» zu berichten, dass der erste Anlass dazu
beigetragen habe, auch im Glarnerland neue Anhänger des
Flugzeuges zu werben. Dass dies zutraf zeigt die Tatsache erneuter
Durchführungen in den Jahren 1923, 1929, 1946 und 1947. Diese
Fluganlässe bewirkten auch immer wieder positive Impulse in den
Rechungen des VVM. Der Flugtag von 1946 erbrachte z.B. Fr. 5'149.60
an Reineinkommen.
Weit
weniger ergiebig punkto Finanzen waren dagegen die Dorffeste von 1932
und 1933 mit einem Vorschlag von Fr. 5.25 bzw. Fr. 34.25. Ob dies
wohl der Grund gewesen sein mag, dass ein Herr R. Streiff sel. dann
im Jahre 1934 dem VVM ein Vermächtnis von Fr. 500.–
zuerkannte?
Schon
2 Jahre später zeichnete man eine Wehranleihe von Fr. 1'000.–,
sozusagen im Vorgespann der Aufrüstung für den 2.
Weltkrieg. Dieser Krieg erbrachte auch in der Vereinskasse einen
Tiefstpunkt. Die Einnahmen aus Mitgliederbeiträgen sanken
im Jahre 1941/1942 auf total Fr. 39.–.Wie willkommen waren da nach
Kriegsende die Finanzerträge der Flugtage.
Mit
Kriegsschluss trat offenbar auch ein verändertes Verhalten der
Touristen ein. Anstelle von Kuraufenthaltern fanden sich vermehrt
Wochenend-Ausflügler ein. Dies blieb auch bezüglich
Aktivitäten im VVM nicht ohne Wirkung. Man konzentrierte sich
noch vermehrt auf den Ausbau bestehender und das Anlagen neuer
Wanderwege, um auf diese Weise eine Entflechtung zwischen stark
aufkommendem Motorfahrzeugverkehr und Wanderern zu erwirken. Unter
dem Patronat des VVM erfolgten zu jener Zeit auch öffentliche
Filmvorführungen in der Turnhalle.
Noch
einmal glaubte man, in Mollis eine glarnerische Vorreiterrolle punkto
Tourismus-Förderung spielen zu können, nämlich dann,
als der Skilift auf Fronalp seinen Betrieb aufnahm; Ferienhaus-bauten
im Maieli und auf Mullern entstanden. Die Pläne einer Gondelbahn
Mollis-Fronalp zerschlugen sich schliesslich, sodass man auch seitens
des VVM zum Alltag zurückkehrte. Man suchte das Heil in der
Nähe, bei der Dorfbevölkerung, welche im August 1970
erstmals mit einem Mitteilungsblatt unter dem Namen «Mollis
unser Dorf» begrüsst wurde. Dieses Blatt besteht, wie Sie
wissen, in veränderter Art auch heute noch, allerdings jetzt als
«Nüüs vu Mullis».
In
den letzten 3 Jahrzehnten hat sich unser Dorf zu einem Wohnort erster
Güte gewandelt. Vermehrte, verbesserte VVM-Angebote für die
Einwohner haben guten Anklang gefunden, weshalb es nicht
wundert, dass die Mitgliederzahl unseres Vereines von 92 im Jahre
1964 auf über 500 anno 1978 emporgeschnellt ist. Da viele
Einwohner den Ort nur noch marginal kennen, wurden im letzten
Jahrzehnt vom VVM eigens für diese Molliser neue Schriftstücke
herausgegeben, so etwa die Ortsnamenskarte, die Broschüre
«Mollis», eine Wanderkarte mit Wegbeschreibungen, und
neuerdings ist man sogar im Begriff einen Heimatkunde-Unterricht für
Erwachsene anzubieten.
Zur
Pionierzeit des Verkehrsvereines Mollis waren es vor allem Gastwirte
und Gewerbetreibende, die sich im Vorstand engagierten. Dies äusserte
sich zum Teil in einer richtigen Freude an der Durchführung von
Festanlässen. Heute finden sich in der Vereinsleitung Frauen und
Männer aus verschiedensten Berufsständen was sich
selbstverständlich auch in der Gestaltung der Jahresprogramme
entsprechend dorfbezogen niederschlägt.
Jede
Epoche der Vereinsgeschichte hat somit, je nach Vorstand, äusseren
Umständen und finanzieller Basis, ihre Eigenheiten bezüglich
Aktivitäten entwickelt. Eine Sicht in die Zukunft ist dadurch
erschwert. Wenn aber auch später Idealisten bereit sind, einen
namhaften Teil ihrer Freizeit zu opfern, um ihren Mitmenschen in der
näheren und weiteren Umgebung eine intakte Umwelt zu bewahren
und gleichzeitig einer sanften Tourismusförderung den Weg zu
bereiten, dann dürfte auch der Fortbestand unseres Vereines
gesichert sein. Mög' dies uns und unseren Nachfahren gelingen!
Verkehrsverein Mollis
Der Präsident
Fridolin Speich-Leuzinge
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